Zuletzt aktualisiert: 2. November 2026.

Wenn Vertrieb, Lager, Einkauf und Buchhaltung jeweils in einem anderen Tool oder einer eigenen Tabelle leben, hat niemand das Gesamtbild, und jeder Monatsabschluss wird zur Suche nach Zahlen. Ein ERP-System löst das, indem es das ganze Unternehmen auf eine gemeinsame Datenbank stellt. Dieser Leitfaden erklärt, was ein ERP ist, wie es funktioniert, welche Arten es gibt, welche Systeme verbreitet sind und wie Sie eines auswählen.

Transparenzhinweis: BIT Technologies ist Oracle NetSuite Alliance Partner. Wir haben uns bemüht, diesen Leitfaden neutral zu halten und auf öffentliche Informationen der Anbieter zu stützen.

Was ist ein ERP-System?

Ein ERP-System ist eine Unternehmenssoftware, die die Kernprozesse eines Unternehmens (Finanzen, Einkauf, Vertrieb, Lager, Produktion und Personal) in einer Anwendung mit einer gemeinsamen Datenbank bündelt. Alle Abteilungen arbeiten mit denselben aktuellen Daten; Informationen werden einmal erfasst und fließen automatisch von einem Prozess zum nächsten.

Was ERP bedeutet (Enterprise Resource Planning)

ERP steht für Enterprise Resource Planning, also die Planung und Steuerung aller Ressourcen eines Unternehmens (Geld, Bestände, Personal, Maschinen und Zeit) an einem Ort. Der Name greift heute etwas zu kurz, denn ein modernes ERP plant nicht nur, sondern steuert das Tagesgeschäft und die Buchhaltung.

Von MRP zum Cloud-ERP: eine kurze Geschichte

  • 1960er–1970er, MRP (Material Requirements Planning): Software, die auf Basis des Produktionsplans berechnete, welche Materialien eine Fabrik wann einkaufen musste.
  • 1980er, MRP II (Manufacturing Resource Planning): ergänzte Kapazitäten, Fertigungssteuerung und die Verbindung zu Kosten und Finanzen.
  • 1990er, ERP: Das Analystenhaus Gartner prägte den Begriff für Systeme, die diese Integration auf das ganze Unternehmen ausweiteten, nicht nur auf die Fabrik.
  • Ab den 2000ern, Cloud-ERP: Die Software läuft in den Rechenzentren des Anbieters und wird im Abonnement über den Browser genutzt. Das 1998 gegründete NetSuite war eines der ersten für die Cloud entwickelten ERPs.
  • 2020er, KI im ERP: Assistenten und Automatisierung werden direkt in die Systeme eingebaut (siehe KI-Abschnitt unten).

Wofür braucht man ein ERP-System?

Ein ERP gibt dem Unternehmen eine verlässliche Version seiner Zahlen und automatisiert die Arbeit zwischen den Abteilungen. In der Praxis hilft es Ihnen:

  • Daten nicht mehr doppelt zu erfassen zwischen Vertriebs-, Lager- und Buchhaltungstools.
  • Das Geschäft in Echtzeit zu sehen: Umsatz, Bestände, Liquidität und Margen, ohne auf den Monatsabschluss zu warten.
  • Schneller abzuschließen, weil die Buchungen bereits im Hauptbuch stehen.
  • Prozesse zu kontrollieren: Freigaben, Benutzerrechte und ein Prüfpfad, wer was getan hat.
  • Ohne Chaos zu wachsen: neue Produkte, Lager, Länder oder Gesellschaften im selben System.
  • Steuerliche Vorgaben zu erfüllen, etwa E-Rechnung oder GoBD-konforme Archivierung, aus denselben Daten.

Wie ein ERP-System funktioniert

Ein ERP beruht auf zwei Ideen: eine Datenbank und verbundene Module. Jedes Modul deckt einen Bereich ab (Vertrieb, Einkauf, Lager, Finanzen), aber alle lesen und schreiben dieselben Daten. Erfasst ein Modul etwas, sehen es die anderen sofort.

So sieht ein typischer Order-to-Cash-Ablauf aus:

  1. Kundenauftrag. Ein Vertriebsmitarbeiter erfasst einen Auftrag. Das ERP prüft Kreditlimit und verfügbaren Bestand.
  2. Bestandsreservierung. Das Lager reserviert die Artikel; reicht der Bestand nicht, entsteht ein Bedarf für Einkauf oder Produktion.
  3. Kommissionierung und Versand. Das Lager kommissioniert, verpackt und versendet. Der Bestand wird automatisch reduziert.
  4. Rechnung. Das ERP erstellt die Rechnung aus der Lieferung, mit der richtigen Steuer, und bucht sie in die Debitoren.
  5. Zahlungseingang. Zahlt der Kunde, wird die Zahlung der Rechnung zugeordnet und die Liquidität im Hauptbuch aktualisiert.
  6. Reporting. Umsatz-, Margen- und Liquiditätsberichte aktualisieren sich sofort, ohne manuelle Zusammenführung.

Die wichtigsten Module eines ERP-Systems

Die meisten ERPs sind modular: Sie lizenzieren die benötigten Module und ergänzen weitere, wenn Sie wachsen.

Finanzen und Rechnungswesen

Der Kern jedes ERP: Hauptbuch, Kreditoren und Debitoren, Banken, Anlagenbuchhaltung, Steuern und Abschlüsse. In Gruppen mit mehreren Gesellschaften auch Intercompany-Buchungen und Konsolidierung.

Einkauf und Beschaffung

Bestellanforderungen, Freigaben, Bestellungen, Wareneingänge und der Abgleich von Lieferantenrechnungen mit Bestellungen und Lieferungen.

Vertrieb und CRM

Angebote, Aufträge, Preise, Rabatte und Fakturierung. Viele ERPs enthalten ein CRM für Leads, Opportunities und Kundenhistorie; andere werden an ein externes CRM angebunden.

Lager, Warehouse und Logistik

Bestände je Lagerort, Chargen und Seriennummern, Umlagerungen, Kommissionierung und Versand. Erweiterte Lagermodule bieten Lagerplätze, Barcode-Scanning und mobile Geräte.

Produktion und MRP

Stücklisten, Arbeitspläne, Fertigungsaufträge und Materialbedarfsplanung, damit die Fabrik weiß, was wann zu fertigen und einzukaufen ist.

Personalwesen

Mitarbeiterstammdaten, Organigramme, Abwesenheiten und, je nach System und Land, Lohnabrechnung. Wo das ERP die lokale Lohnabrechnung nicht abdeckt, wird ein spezialisiertes Payroll-Tool angebunden.

Projektmanagement

Projektbudgets, Zeit- und Spesenerfassung, Ressourcenplanung und Projektabrechnung. Unverzichtbar für Dienstleister und Ingenieurbüros.

Reporting und Business Intelligence

Dashboards, KPIs und Berichte auf Live-Daten, mit Drill-down von der Summe bis zur einzelnen Buchung.

Arten von ERP-Systemen

ERPs lassen sich auf vier Arten einteilen: nach Bereitstellung, Branche, Unternehmensgröße und Lizenzmodell.

Nach Bereitstellung: Cloud (SaaS), On-Premise und hybrid

  • Cloud (SaaS): Der Anbieter hostet und aktualisiert die Software, Sie zahlen ein Abonnement. Es gibt keine Server zu warten, neue Releases kommen automatisch.
  • On-Premise: Sie installieren die Software auf eigenen Servern (oder in einer Private Cloud), meist mit Lizenz plus jährlicher Wartung. Mehr Kontrolle, aber auch mehr IT-Aufwand.
  • Hybrid: Ein Teil läuft in der Cloud, ein Teil On-Premise, etwa ein Cloud-ERP für Tochtergesellschaften und ein On-Premise-System in der Zentrale.

Nach Branche: horizontale und vertikale ERPs

Horizontale ERPs decken branchenübergreifende Prozesse ab und werden per Konfiguration angepasst. Vertikale ERPs bringen Funktionen für eine Branche mit, etwa Lebensmittel-Rückverfolgbarkeit, Bauprojekte oder Größen-Farben-Matrizen in der Mode. Viele Anbieter haben horizontale Produkte mit Branchenvarianten.

Nach Unternehmensgröße: kleine Unternehmen, Mittelstand und Großunternehmen

Manche Produkte zielen auf kleine Unternehmen mit einfachen, sofort nutzbaren Prozessen. Andere auf den Mittelstand, mit Mehrmandantenfähigkeit, Mehrwährung und mehr Automatisierung. ERPs für Großunternehmen bewältigen sehr hohe Volumen und komplexe globale Abläufe. Mehrere Anbieter haben für jedes Segment eigene Produkte.

Nach Lizenz: proprietär oder Open Source

Proprietäre ERPs gehören dem Anbieter, der Code und Roadmap kontrolliert. Open-Source-ERPs veröffentlichen ihren Quellcode zur Anpassung, doch Implementierung, Hosting und Support kosten weiterhin Geld. Einige Anbieter nutzen ein Open-Core-Modell mit kostenloser Community- und kostenpflichtiger Enterprise-Edition.

Beispiele für ERP-Systeme: in Spanien weit verbreitet

Die folgenden etablierten ERP-Produkte sind besonders in Spanien stark vertreten, viele davon auch in Deutschland; alphabetisch nach Anbieter. Die Liste ist kein Marktanteils-Ranking.

System Anbieter Bereitstellung Typisches Unternehmensprofil
a3ERP Wolters Kluwer On-Premise oder vom Anbieter gehostete Cloud Spanische KMU
IFS Cloud IFS Cloud oder kundengehostet Anlagenintensive Branchen mit Bedarf an ERP, Instandhaltung und Außendienst
Infor CloudSuite Infor Cloud Hersteller und Händler, die Branchenversionen suchen
Microsoft Dynamics 365 Business Central Microsoft Cloud (auch On-Premise) Kleine und mittlere Unternehmen
Microsoft Dynamics 365 Finance & Operations (heute Finance und Supply Chain Management) Microsoft Cloud Große oder komplexe multinationale Organisationen
Odoo Odoo S.A. Cloud (SaaS oder Odoo.sh) oder On-Premise Kleine und mittlere Unternehmen
Oracle Fusion Cloud ERP Oracle Cloud (SaaS) Großunternehmen und gehobener Mittelstand
Oracle NetSuite Oracle Cloud (SaaS) Wachsende Mittelständler und Gruppen mit mehreren Gesellschaften oder Ländern
Sage 200 und Sage X3 Sage Cloud oder On-Premise Sage 200 für KMU; Sage X3 für mittlere und große Unternehmen
SAP Business One SAP On-Premise oder von Partnern gehostet Kleine und mittlere Unternehmen
SAP S/4HANA SAP Cloud (Public oder Private) oder On-Premise Großunternehmen

Zwei nützliche Hinweise: Die Standardwartung von SAP für die vorige ERP-Generation (ECC 6.0) endet Ende 2027, ein wichtiges Datum für Unternehmen, die es noch nutzen. Und Microsofts „Finance & Operations" wird heute als zwei Apps verkauft, Dynamics 365 Finance und Dynamics 365 Supply Chain Management.

Mehr erfahren? Lesen Sie Was ist NetSuite und unseren Vergleich NetSuite vs. SAP Business One.

Was ist Odoo?

Odoo ist ein belgisches ERP, aufgebaut als Sammlung von Business-Apps (Buchhaltung, Vertrieb, Lager, Website und mehr), die eine Datenbank teilen. Es gibt zwei Editionen: Community, Open Source unter der LGPLv3-Lizenz, und Enterprise, die proprietäre Apps, Hosting und offiziellen Support im Abonnement ergänzt.

Vor- und Nachteile eines ERP-Systems

Ein ERP bringt Kontrolle und Effizienz, ist aber ein bedeutendes Projekt, das Zeit, Budget und Engagement erfordert.

Vorteile Nachteile
Eine einzige Datenbasis für das ganze Unternehmen Erhebliche Anfangsinvestition (Lizenzen oder Abonnement plus Implementierung)
Weniger manuelle Erfassung und weniger Fehler Die Einführung dauert Monate und kostet internen Aufwand
Echtzeit-Transparenz über Umsatz, Bestände, Liquidität und Margen Prozesse müssen überprüft und teils geändert werden
Schnellerer Monatsabschluss Anwender brauchen Schulung und Eingewöhnungszeit
Stärkere Kontrollen, Berechtigungen und Prüfpfad Starke Anpassungen erschweren Updates
Skaliert mit neuen Produkten, Standorten, Gesellschaften und Ländern Abhängigkeit von Anbieter und Implementierungspartner
Einfachere Steuer- und Rechtskonformität aus denselben Daten Ein falsch gewähltes oder schlecht eingeführtes ERP kann mehr Probleme schaffen als lösen

ERP, CRM, MRP und andere Systeme: die Unterschiede

ERP vs. CRM

Ein CRM (Customer Relationship Management) steuert die Beziehung zu Interessenten und Kunden: Leads, Opportunities, Kampagnen und Servicefälle. Ein ERP steuert, was nach dem Auftrag passiert: Lieferung, Fakturierung, Bestand und Buchhaltung. Viele ERPs enthalten CRM-Funktionen, und viele Unternehmen binden ein separates CRM an ihr ERP an.

ERP vs. MRP

MRP berechnet den Materialbedarf für die Produktion. Es ist ein Modul innerhalb eines Fertigungs-ERP, das zusätzlich Finanzen, Vertrieb, Einkauf und alles Weitere abdeckt.

ERP vs. Buchhaltungssoftware

Buchhaltungssoftware erfasst die finanzielle Seite: Buchungen, Rechnungen, Steuern und Abschlüsse. Ein ERP enthält die Buchhaltung, steuert aber auch die Abläufe, die diese Buchungen erzeugen, etwa Aufträge, Bestände und Einkauf. Unternehmen wechseln meist dann zum ERP, wenn die Abläufe zu komplex werden, um sie getrennt zu führen.

ERP und Management-Informationssysteme

Ein Management-Informationssystem (MIS) ist jedes System, das Daten in Informationen für Führungskräfte verwandelt. Ein ERP ist eine der wichtigsten Datenquellen dafür, und seine integrierten Berichte und Dashboards wirken als Informationssystem für das ganze Unternehmen. Größere Unternehmen ergänzen oft ein separates BI-Tool.

Wann braucht Ihr Unternehmen ein ERP-System?

Sie brauchen ein ERP, wenn der Aufwand, Ihre Tools manuell zu verbinden, das Geschäft bremst. Typische Anzeichen:

  • Tabellen steuern Kernprozesse. Bestände, Preise oder Reporting hängen an Excel-Dateien, die nur ein oder zwei Personen verstehen.
  • Der Monatsabschluss ist langsam. Die Finanzabteilung verbringt Tage damit, Daten aus verschiedenen Systemen zu sammeln und abzustimmen.
  • Mehrere Gesellschaften oder Länder. Sie brauchen konsolidierte Zahlen, Intercompany-Buchungen und verschiedene Währungen oder Steuerregeln.
  • Schnelles Wachstum. Mehr Aufträge, Produkte oder Mitarbeitende, und die aktuellen Tools skalieren nicht.
  • E-Commerce oder neue Kanäle. Online-Bestellungen müssen automatisch in Bestand, Fakturierung und Buchhaltung fließen.
  • Wenig Transparenz. Niemand kann schnell sagen, was verkauft wurde, was auf Lager ist oder wie hoch die echte Marge ist.
  • Neue gesetzliche Vorgaben. Ihre aktuelle Software ist nicht bereit für die B2B-E-Rechnung, in Deutschland seit 2025 schrittweise eingeführt, oder für spanische Vorgaben wie Verifactu.

Wie Sie ein ERP-System auswählen

Gehen Sie von Ihren Prozessen und Ihrer Branche aus, nicht von einer Funktionsliste. Prüfen Sie dann jeden Kandidaten anhand dieser Liste:

  • Prozesse: Deckt es Ihre kritischen Prozesse im Standard ab, ohne starke Anpassungen?
  • Branche: Unterstützt es die Anforderungen Ihrer Branche, nativ oder über bewährte Add-ons?
  • Skalierbarkeit: Verkraftet es in fünf Jahren mehr Nutzer, Transaktionen, Gesellschaften und Länder?
  • Bereitstellung: Cloud, On-Premise oder hybrid, und passt das zu Ihrem IT-Team und Ihrer Sicherheitsrichtlinie?
  • Integrationen: Lässt es sich an E-Commerce, CRM, Banken, Lohnabrechnung und Logistik anbinden?
  • Gesamtkosten: Lizenzen oder Abonnement, Implementierung, Integrationen, Support und interne Zeit über mindestens drei bis fünf Jahre.
  • Partner: Kennt der Implementierungspartner Ihre Branche und Ihr Land, mit Referenzen, die Sie anrufen können?
  • Steuerliche Lokalisierung: Unterstützt es die Vorgaben in Ihren Ländern, etwa E-Rechnung und GoBD in Deutschland oder SII, Verifactu und AEAT-Formulare für spanische Gesellschaften, nativ oder über eine verlässliche Lokalisierung?

Auch die Unternehmensgröße zählt. Ein Händler mit 20 Mitarbeitenden und eine Gruppe mit zehn Tochtergesellschaften in fünf Ländern brauchen sehr unterschiedliche Systeme, selbst in derselben Branche.

Was kostet ein ERP-System?

Die Kosten hängen vom Produkt, der Zahl der Nutzer und Module und vor allem vom Implementierungsumfang ab. Die Preise schwanken so stark, dass eine Zahl ohne Kontext in die Irre führt. So setzen sich ERP-Kosten zusammen:

  • Software: entweder Kauflizenz plus jährliche Wartung (typisch On-Premise) oder laufendes Abonnement (typisch Cloud-ERP), meist nach Nutzern und Modulen.
  • Implementierung: Analyse, Konfiguration, Datenmigration, Integrationen, Tests und Schulung. Ein eigenes Projekt, oft durch einen Partner.
  • Laufende Kosten: Support, Verbesserungen, neue Integrationen und bei On-Premise-Systemen Server und IT-Personal.
  • Interne Zeit: die Stunden Ihres Teams im Projekt, die oft unterschätzt werden.

Am aussagekräftigsten ist der Vergleich der Gesamtbetriebskosten über drei bis fünf Jahre, nicht der Preis im ersten Jahr. Speziell für NetSuite lesen Sie unseren Beitrag zu den NetSuite-Kosten.

Wie ein ERP eingeführt wird: Projektphasen

  1. Vorbereitung und Analyse. Ziele, Umfang, Team und Budget festlegen. Aktuelle Prozesse erfassen und entscheiden, welche sich ändern.
  2. Design. Anforderungen in ein Lösungsdesign übersetzen: Konfiguration, nötige Integrationen und etwaige Anpassungen.
  3. Konfiguration und Entwicklung. System einrichten, Integrationen und vereinbarte Erweiterungen entwickeln.
  4. Datenmigration. Stammdaten (Kunden, Lieferanten, Artikel, Kontenplan) und Eröffnungssalden bereinigen und laden.
  5. Tests und Schulung. Key User testen reale Szenarien durchgängig; danach werden alle Anwender geschult.
  6. Go-live. Umstellung, meist zum Monats- oder Geschäftsjahresbeginn, mit enger Betreuung in den ersten Wochen.
  7. Support und Optimierung nach dem Go-live. Fehler beheben, stabilisieren und die nächste Funktionsphase ergänzen.

Jeden Schritt für NetSuite behandeln wir unter NetSuite-Implementierung, NetSuite-Migrationen und NetSuite-Integrationen.

ERP-Systeme und spanische Vorschriften: Verifactu, SII und E-Rechnung

Für Unternehmen mit Gesellschaften in Spanien ist ein ERP auch ein Compliance-Werkzeug. Drei Pflichten prägen die nächsten zwei Jahre (Daten geprüft am 2. November 2026):

Pflicht Wen sie betrifft Stichtag Status
SII (nahezu Echtzeit-Übermittlung der USt-Bücher an die Steuerbehörde AEAT) Umsatz über 6.010.121,04 €, REDEME und USt-Gruppen In Kraft seit 2017 Verpflichtend
B2B-E-Rechnung (Gesetz Crea y Crece, Königliches Dekret 238/2026, Verordnung HAC/1028/2026) Unternehmen mit über 8 Mio. € Umsatz 6. Oktober 2027 Festgelegt durch Verordnung HAC/1028/2026
B2B-E-Rechnung Alle übrigen Unternehmen und Selbstständigen 6. Oktober 2028 Festgelegt durch dieselbe Verordnung
Verifactu (sichere, nachvollziehbare Rechnungssoftware) Körperschaftsteuerpflichtige / alle übrigen 1. Januar 2027 / 1. Juli 2027 (gesetzliche Termine) Das Finanzministerium kündigte am 5. Oktober 2026 eine Verschiebung auf Oktober 2028 an; noch nicht im Amtsblatt (BOE)

Unternehmen im SII sind für selbst ausgestellte Rechnungen von Verifactu ausgenommen. Im Baskenland steuerpflichtige Unternehmen nutzen stattdessen TicketBAI.

Fragen Sie bei der ERP-Auswahl den Anbieter oder Partner genau, wie jede Pflicht abgedeckt wird: nativ, über ein Lokalisierungs-Add-on oder über einen Drittanbieter-Konnektor. Mehr dazu in unserem Beitrag zur spanischen Steuerlokalisierung in NetSuite.

Künstliche Intelligenz in ERP-Systemen: was sich 2026 ändert

KI im ERP entwickelt sich von Einzelfunktionen zu Assistenten, die in die tägliche Arbeit eingebaut sind. Drei Trends stechen hervor:

  • Konversationelle Assistenten. Anwender stellen Fragen in natürlicher Sprache („Welche Kunden sind diesen Monat überfällig?") und erhalten Antworten, Berichte oder Datensatzentwürfe, ohne eine Suche zu bauen.
  • Automatisierter Abschluss. Bankumsätze zuordnen, Konten abstimmen und ungewöhnliche Buchungen markieren, sodass das Finanzteam nur Ausnahmen prüft.
  • Agenten. Software, die mehrstufige Aufgaben im Rahmen der Benutzerrechte erledigt, etwa eine Bestellung vorbereiten oder eine Freigabe nachverfolgen, wobei ein Mensch das Ergebnis weiterhin freigibt.

Oracles NetSuite Next ist ein Beispiel: eine KI-zentrierte NetSuite-Oberfläche rund um den Assistenten Ask Oracle. Sie wird seit Release 2026.2 in den USA und Kanada ausgerollt. Auf der SuiteWorld im Oktober 2026 kündigte Oracle die Einführung in Großbritannien, Australien und Neuseeland an, mit Spanien voraussichtlich Anfang 2027. Ein Termin für Deutschland wurde nicht genannt.

Unabhängig vom System funktioniert KI am besten mit sauberen, gut strukturierten Daten, ein weiterer Grund, zuerst das ERP-Fundament richtig zu legen.

Häufige Fragen

Lassen sich historische Daten beim ERP-Wechsel migrieren?

Ja, aber nicht alles lohnt sich. Üblich ist die Migration von Stammdaten (Kunden, Lieferanten, Artikel, Kontenplan), Eröffnungssalden und offenen Vorgängen wie unbezahlten Rechnungen, offenen Aufträgen und aktuellen Beständen. Abgeschlossene historische Buchungen bleiben meist im Altsystem oder in einem schreibgeschützten Archiv, weil ihre Migration teuer ist und sie selten gebraucht werden. Beachten Sie in Deutschland die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen. Manche Unternehmen laden zusätzlich verdichtete Historie, etwa Monatssalden, für Vergleichsberichte.

Kann ich mit wenigen Modulen starten und das ERP später erweitern?

Ja, und das ist oft der sicherste Weg. Die meisten Unternehmen beginnen mit Finanzen, Einkauf, Vertrieb und Lager, dem Kern, von dem alle anderen Prozesse abhängen. Produktion, erweitertes Lager, Projekte oder Planung können in späteren Phasen folgen, sobald die Basis stabil ist.

Ist es sicher, Unternehmensdaten in einem Cloud-ERP zu speichern?

Ein seriöses Cloud-ERP ist meist sicherer als ein Server im Büro, aber prüfen Sie das, statt es anzunehmen. Fragen Sie den Anbieter, wo Ihre Daten gespeichert werden und ob das DSGVO-konform ist, wie Backups und Notfallwiederherstellung funktionieren und welche unabhängigen Sicherheitszertifizierungen vorliegen. Prüfen Sie auch den Auftragsverarbeitungsvertrag und wer auf Ihre Daten zugreifen kann.

Warum scheitern manche ERP-Projekte?

Die häufigsten Ursachen sind:

  • Ein unklar definierter Umfang, der ständig wächst.
  • Fehlendes Engagement der Geschäftsführung.
  • Zu viele Anpassungen, um alte Prozesse nachzubauen, statt bewährte Standards zu übernehmen.
  • Zu wenig Schulung, sodass Anwender zu Tabellen zurückkehren.
  • Unterschätzte Datenbereinigung und -migration.

Wer sollte das ERP-Projekt im Unternehmen leiten?

Ein ERP-Projekt ist ein Geschäftsprojekt, nicht nur ein IT-Projekt. Die Geschäftsführung sponsert es, setzt Prioritäten und löst Konflikte. Die Finanzabteilung leitet es meist, weil die meisten Prozesse in der Buchhaltung enden. Die IT kümmert sich um Integrationen, Sicherheit und Daten. Key User aus jedem Bereich definieren Anforderungen, testen und schulen ihre Kollegen. Ein interner Projektleiter mit fest eingeplanter Zeit macht einen großen Unterschied.

Wie oft sollte man das ERP wechseln?

Es gibt keinen festen Zyklus. Wechseln Sie, wenn das aktuelle System das Geschäft bremst: Es kann keine neuen Gesellschaften, Länder oder Kanäle abbilden, ist nicht bereit für neue gesetzliche Vorgaben, erfordert ständige Workarounds oder wird vom Anbieter nicht mehr unterstützt. Liegen die Probleme in der Einrichtung, kann es günstiger sein, das bestehende ERP zu verbessern oder neu einzuführen, statt es zu ersetzen.